10 Tage: Ramadan-Zwischenstand

Zehn Tage faste ich jetzt schon im Ramadan mit, ein Drittel ist also geschafft und da ich davon ausgehe, dass ein Großteil meiner Leser*innen eher nicht so fasten und sich das vielleicht nicht so vorstellen können, schildere ich euch bis jetzt mal meine ersten Eindrücke:

Nach zehn Tagen habe ich mich total daran gewöhnt. Man fastet vom ersten Gebet (etwa 3:40 zur Zeit) bis zum Sonnenuntergangsgebet (ca. 19:40), also sechzehn Stunden, wobei man ein paar davon ja schlafend verbringt. In dieser Zeit soll man weder trinken noch essen noch rauchen – laut Koran. Ich muss nicht fasten, ich bin Christin, doch ich möchte die Erfahrung machen und bin bis jetzt auch positiv angetan. Man wird viel eingeladen, von Kollegen und Freunden, zum gemeinsamen Iftar (=“Frühstück“) abends zum Fastenbrechen. Davon empfinde ich immer jedes wie ein kleines Fest, an denen man friedlich und glücklich zusammmenkommt. In der Zeit, in der man fastet, besinnt man sich mehr auf die Sachen, die einem im Leben wirklich wichtig sind. Ich erwische mich dabei, wie ich viel mehr an meine Freunde und Familie denke, an meine Zukunft und auch manche kleine Sorgen nicht mit einem Stückchen Schokolade im Keim ersticke, sondern mir wirklich Gedanken mache.

Das nicht-Essen bis 19:40 ist sogut wie kein Problem. Der Durst macht sich bei mir manchmal bemerkbar, vor allem so gegen 16 oder 17 Uhr, wenn ich mit dem Rad auf dem Nachhauseweg bin. Doch bis jetzt war es noch nie so schlimm, dass ich abgebrochen hab. Ich achte ja auch auf meine Gesundheit, und zwinge mich zu Nichts.

Das einzige, was mich etwas verstört hat, direkt am ersten Tag, war ein ernster Streit zwischen zwei Leuten auf dem Markt. Der Ramadan ist ein heiliger Monat und eigentlich sollte sich jeder Fastende nächstenlieb und empathisch gegenüber seiner Umgebung verhalten, keine schlechten Dinge tun oder sagen, doch der Hunger, Durst und vor allem der Entzug gewisser Drogen wie z.B. Zigaretten setzt den Leuten zu, was sichtbar zu Spannungen führen kann.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es weiter geht und freue mich schon auf das Iftar heut abend mit der Familie von einem guten Freund. 🙂

Iftar mit Freunden in einem Café, mit Harira und allerlei leckerem Zeugs, auch einem Kuvchen von mir, der leicht zerlaufen ist ^^
Ein Iftar auf meiner Arbeit, man sieht (v.r.n.l.) Beriouad, Datteln, Crepes, Saft, Chebekia und Msemen… Harira gabs auch 😛
Ein Iftar, das wir Freiwillige uns selber gemacht haben, mit Pudding, lauter marokkanischen Süßigekeiten, Melone, Saft in Joghurtbechern und noch vielem mehr 😉

2 Kommentare zu „10 Tage: Ramadan-Zwischenstand

  1. Dann auf jeden Fall noch ein fröhliches Weiterfasten! 🙂 Ich denke auch, dass der Hunger erträglich ist und der Durst das einzige Problem sein wird (die armen Muslime bei den 30°C, die wir hier momentan haben)…
    Machst du eigentlich irgendwie Sport im Ramadan? Und wie sieht das mit dem Schlafen aus? Die meisten Muslime hier schlafen tagsüber jetzt grad voll viel, weil man dann Hunger und Durst nicht so merkt – schläfst du auch tagsüber mehr? Und findest du, dass die Menschen im Ramadan regelmäßiger beten als sonst? Weil hier halten sich auf einmal alle an Gebetszeiten und Ramadan-Regeln, auch wenn sie sonst nie fünf Mal am Tag beten oder auch Alkohol trinken, was sie aber jetzt den ganzen Ramadan nicht tun.

    Liken

    1. Naja, ich mach den Sport, den ich sonst auch mache und das ist mein Arbeitsweg, den ich mit Fahrrad fahre, also 18 km Fahrradfahren am Tag. Und ich bin echt kein Fan des tagsüber Schlafens, das ist so gar nicht meins. Hab zwar verkürzte Arbeitszeiten und bin daher teilweise schon zwischen 16 und 17 Uhr zuhause, aber die Zeit nutze ich dann lieber, um zu lesen oder Haushalt zu machen oder Handarbeiten usw. Dafür bin ich nach dem Fastenbrechen am Abend dann richtig müde und könnte schon vor 21 scheintot ins Bett fallen 😀 . Gebetet wird auf jeden Fall regelmäßiger, abends nach dem Iftar/Ftour gibt es noch ein extra großes Gebet im Ramadan und viele Männer gehen in die Moscheen, teilweise sieht man ganze Plätze voll mit betenden Menschen mitten in der Nacht. Und selbst, wenn man nicht fünfmal am Tag betet (das machen hier glaub ich auch die wenigstens normalerweise) so spricht man doch wenigstens halbwegs mit, wenn der Muezzin ruft.
      Aber: Das ist auch alles nochmal persönlich abhängig, natürlich gibt es auch nicht gläubige Muslime, die trotzdem Alkohol im Ramadan trinken oder tagsüber essen oder was auch immer. Ich bin zurzeit auch krank und habe eine Fastenpause eingelegt seit gestern, das ist auch total legitim. Wenn man nämlich krank ist oder seine Regel hat, ist man vom Fasten ausgenommen. Aber dazu schreib ich bestimmt nochmal mehr. 😉

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s