7chouma 3liya ;)

Übersetzung: Schande über mich!

Da hab ich jetzt also mein einjähriges Jubiläum und das Opferfest hinter mich gebracht, ohne euch auch nur einen Satz davon zu erzählen. Inzwischen bin ich hier schon 13 (!) Monate und noch geht es nicht zurück für mich. Ich habe mich entschlossen, noch bis Dezember zu bleiben, da ich mein Studium wohl erst nächstes Jahr beginne.

Warum also die Zeit hier nicht noch nutzen? Aber jetzt erstmal zum Vorherigen, das Jubiläum und das Opferfest. Wie war das so? Fühlt sich das anders an? Es ist wie diese Frage, die man den älteren Bruder stellt, wenn er 18 wird, mit großen Kinderaugen schaut man ihn an und fragt: „Und, wie ist es? Bist du jetzt erwachsen? Wie fühlt es sich an?“

Ja, wie fühlt es sich denn an, wenn man Geburtstag hat und ein Jahr älter wird? Irgendwie verändert sich doch nicht so viel. Irgendwie merkt man es doch nicht so sehr, man merkt es vielleicht an den Geschenken und Glückwünschen anderer, doch altern tut man nicht auf einmal von heute auf morgen, sondern mit jedem Schritt, den wir in unserem Leben tun und jedem Tag, der vergeht und jeder Erfahrung, die wir machen.
Erinnerungen an das letzte Jahr poppen nicht einfach an einem Tag auf und sagen wie Google oder Facebook „Schau dir hier deinen persönlichen Jahresrückblick an!“, sondern du erschaffst sie dir selber, jeden Tag den du durch die Welt stolperst und eines Tages erinnerst du dich vielleicht zufälligerweise zurück, lachst über dein damaliges Ich oder bist betrübt im Anblick des Gegangenen.

Deswegen kommt hier kein Jahresrückblick, auf ein paar meiner Abenteuer hab ich euch hier ja mitgenommen, auch wenn ich oft ach so tolle Abenteuer angekündigt habe und dann doch nicht davon berichtet habe, vieles ausgelassen habe oder auch mal umgeschrieben habe, weil die Wahrheit dann doch viel zu komplex wäre.
Spätestens wenn ich wieder zurück bin können viele von euch mich ja persönlich löchern.

Und nun zum Opferfest, ich weiß nicht, obwohl ich es nochmal wiederholen muss, ich erinnere mich, einen ausführlichen Beitrag dazu geschrieben zu haben.
Um es trotzdem kurz nochmal zu wiederholen, am sogenannten Eid-al-Adha schlachtet man pro Familie (bzw. pro Familienoberhaupt) ein Schaf, am liebsten eines mit schwarzen Augen und schwarzer Nase, man schächtet es, häutet es und die nächsten Tage gibt viiiel Fleisch in der Familie zu essen. Zwanzig Prozent gibt man an ärmere Leute ab, insgesamt verteilt man einen Großteil des Fleisches, an Familie, Freunde und Fremde, so sitzt man zum Beispiel nichts ahnend am Meer und neben einen wird Fleisch an Spießen in einem kleinen tragbaren Grill gebraten und plötzlich kommt einer der Grillmeister und gibt ein, zwei Spieße freundlich ab und geht dann wieder zu seinen Kameraden, die um die Glut sitzen und sich ihr Mittagessen zubereiten.

Insgesamt ist es in Marokko üblich, dass das Essen viel geteilt wird, man wird irgendwo eingeladen oder kreuzt auf und (gerade wenn man zufällig zur Essenszeit aufkreuzt) isst bei seinen Freunden, Gastgebern, Bekannten.
Neulich sagte einer meiner Freunde „Fin mchiti, tghedditi.“ – Wohin du gingst, du hast zu Mittag gegessen. Damals noch mehr als heute. Vor allem in den ländlichen Regionen ist Gastfreundlichkeit mehr als nur eine hohe Tugend, ich erinnere an unseren Neujahrsausflug, bei welchem wir drei Tage lang von Said, einem Fremden, der ein Freund wurde, bewirtet wurden, welcher jeden dieser drei Tage eine Tajine oder gar Couscous von seinem Haus im Dorf bis zu unserem Zelt am See brachte.

Auch auf der Arbeit bin ich schon ein paar mal mit Kollegen mitgegangen, in ihre Familien, habe Couscous gegessen oder zum Ramadan ein Ftour geteilt, die Liste ist schier endlos.
Manchmal wollte ich, ich könnte auch so leben. in Deutschland. Ich mach eh immer zu viel zu essen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass bei mir zufällig aus dem Nichts ein Freund oder eine Freundin vorbeikommt ist wohl eher klein. Doch diese Gastfreundlichkeit, die ich hier gelernt habe, möchte ich beibehalten, ein bisschen marokkanisch bleiben. Auch, dass ich von so vielen Familien schon eingeladen wurde, wichtige Festtage mit ihnen zu verbringen. Ich, eine Ausländerin, die sie vorher vielleicht gar nicht so gut kennen, aber ich werde eingeladen, sowohl zu Opferfest als auch Zuckerfest. Am liebsten möchte ich nächstes Weihnachten einfach jemanden einladen, einfach mitbringen zu meiner Familie, sodass derjenige, der Weihnachten nicht kennt, es auch kennenlernt. Sodass wir auch unsere Kultur anderen näher bringen, Integration muss immer von beiden Seiten kommen, wenn ich nie zum Fastenbrechen oder zum Opferfest oder einfach nur zum Mittagessen eingeladen worden wäre, ich hätte so viele schöne Erfahrungen weniger gemacht.

Naja, aber was red ich. „Deutsch sein“ hab ich wahrscheinlich eh verlernt nach mehr als einem Jahr in der Ferne. Und neulich, da saß ich träumend vor Bildern von verschiedensten Orten der Welt, Bilder voller Natur und Menschen und Städte und tausend Dingen, die ich noch nie gesehen, nie erlebt habe.
Und so, wie mich vor mehr als einem Jahr das Fernweh packte, so packte mich auch jetzt wieder eine Art Fernweh, den Wunsch, etwas anderes, neues zu sehen. Und das, obwohl ich noch nicht mal wieder zurückgekehrt in mein eigenes Zuhause bin. Doch das werde ich auch noch und dann bleibt mir in meinem Leben noch genug Zeit, mehr zu sehen.

So jetzt hab ich schon genug geschrieben und einfach nur meinen Gedanken lauf gelassen ohne etwas wichtiges, konkretes auszudrücken. Ich wünsche euch allen noch einen wunderschönen Tag und versuche, mich in nächster Zeit mit den pünktlichen Berichterstattungen zu bessern. 😉

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Katzeeeeeeeen überall.  Hab zwar viel übers Essen geredet, aber die Bilder von den ganzen Tajines kommen erst im nächsten Beitrag 😉

Ein Kommentar zu „7chouma 3liya ;)

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